Doch ich bin mehr als mein Schmerz!

 

Wenn der Schmerz zum ständigen Begleiter wird, dreht sich das gesamte Leben und die Gedankenwelt schnell nur noch um das eine Thema: Schmerz!

Dabei besteht das Leben, selbst bei starken chronischen Leiden, nicht nur aus Schmerz. Doch je mehr Aufmerksamkeit man dem Schmerzempfinden schenkt, desto mehr Platz nimmt es im Leben ein.

Jeder, der schon einmal unter Zahnschmerzen gelitten hat, kennt das Phänomen, dass der Schmerz tagsüber, solange man funktionieren muss, vielleicht auch im Stress ist und genügend Ablenkung vorhanden ist, erträglich ist, eventuell sogar gar nicht spürbar ist. Wohingegen abends beim Einschlafen, wenn die Anspannung von unseren Schultern abfällt und es keine Ablenkung mehr gibt, der Schmerz kaum noch zu ertragen ist.

Warum ist das so?

Bedrohliche Situationen, Stress und schwere Verletzungen führen dazu, dass der Schmerz gedämpft wird, man ihn möglicherweise sogar gänzlich ausblendet. Der Organismus setzt dann Hormone wie Cortisol und Adrenalin frei und bereitet den Körper auf eine Kampf- oder Fluchtreaktion vor. Wer unter Schmerzen leidet, kann jedoch weder kämpfen noch fliehen, deswegen drosselt der Körper in stressigen, bedrohlichen und belastenden Situationen das Schmerzempfinden. Ist die Gefahr gebannt, nimmt die Hormonproduktion wieder ab, man kommt zur Ruhe und der Schmerz nimmt wieder zu.

Ähnlich wie bei bedrohlichen Situationen, verspüren wir übrigens auch weniger Schmerzen, wenn wir glücklich oder frisch verliebt sind. Gehirnforscher haben herausgefunden, dass verliebt und glücklich sein, ähnlich wie eine Droge auf uns wirkt und schon lustige Filme dazu führen können, dass man weniger Schmerz empfindet.

Angst wirkt als Verstärker.

Angst, besonders die Angst vor dem Schmerz verstärkt dagegen das Schmerzempfinden. Gerade bei psychosomatischen Beschwerden, chronischen oder unheilbaren Krankheiten ist die Angst und die damit verbundene Hilflosigkeit besonders groß. So ist es nicht weiter erstaunlich, dass Angst meist eine Begleiterscheinung bei psychosomatischen, chronischen und unheilbaren Leiden ist.

Wer Schmerzen hat, bekommt Angst, Angst vor dem Schmerz an sich, davor, ob er bleibt, ob es gar schlimmer wird und wie lange man ihn ertragen muss oder kann. Wie sich das Leben dadurch verändern wird, ob man seine Arbeit weiter ausführen kann und was alles auf einen zukommen könnte. Durch die Angst fokussiert man sich auf sein Leiden, man nimmt jede noch so kleine Steigerung wahr und gerät in Panik, was noch mehr Angst auslöst. Diese wechselseitige Verstärkung führt zu einem Teufelskreis und bestimmt schnell das gesamte Leben.

Schmerz Trauer Angst Sorgen

My Ocean Production/Shutterstock.com

Aus Angst vor dem Schmerz, fällt die Stimmung und Lebensfreude, man zieht sich zurück, beginnt sich zu schonen und bewegt sich nur noch sehr wenig. Doch wer sich weniger bewegt, nimmt automatisch zu und verliert an Beweglichkeit. Verliert man an Beweglichkeit und nimmt zu, leidet man unter größeren Schmerzen wie zuvor, wodurch man sich weniger bewegt und weiter zunimmt. Wer nur noch mies gelaunt ist und sich zurückzieht, verliert immer mehr den Anschluss zur Außenwelt, was ein Gefühl der Einsamkeit hervorrufen kann, wodurch man traurig und vielleicht sogar depressiv wird und mit der Zeit resigniert.

Ein Teufelskreis entsteht.

Wer nun zu einem Arzt geht, bekommt unter anderem den Rat zu hören, dass man doch mehr unternehmen, sich bewegen und abnehmen solle. Doch wie soll man mehr unternehmen und sich bewegen, wenn einem alles weh tut? Man rafft sich schließlich auf und sucht sich Hilfe in einem Fitnessstudio, doch man erkennt nur zu oft, dass auch die Fitnesstrainer schnell an Ihre Grenzen kommen, wenn man kein Gerät nutzen kann, ohne unter extremen Schmerzen zu leiden. Doch was jetzt, wenn einem keiner helfen kann und nichts zu tun, alles nur noch schlimmer macht?

Es gibt immer eine Lösung.

Manchmal steht man sich selbst im Weg, man ist von Angst getrieben und vergisst, dass man sich selbst am besten kennt. Sie kennen Ihren Schmerz, Sie wissen was weh tut und haben darauf Ihre Aufmerksamkeit gerichtet, doch sind Sie sich auch darüber bewusst, welche Bewegungen Ihnen nicht weh tun? Achten Sie einmal darauf, welche Bewegungen Sie schmerzfrei ausführen können und welche Bewegungen sich noch im erträglichen Bereich befinden. Vor welchen Bewegungen schützt Sie der Schmerz, denn Schmerzen sind nicht immer schlecht.

Wenn Sie Ihre Schmerzen besser verstehen, ihnen vielleicht sogar etwas Gutes abgewinnen können, können Sie auch besser mit ihnen leben.

Der positive Effekt.

Wenn jemand gelähmt ist und das erste Mal wieder Schmerzen in diesem Bereich empfindet, wird er/sie sich darüber freuen, da es dann wieder Hoffnung gibt.

Schwangere nehmen den Schmerz der Geburt sogar gern auf sich, da sie sich auf ihr Kind freuen. Manch eine Mutter nimmt die Schmerzen während der Geburt gar nicht als etwas Schlimmes und Störendes wahr, sondern sieht ihn eher als Hilfe an, um sich richtig zu bewegen und ihrem Baby so den Weg durch den Geburtskanal zu vereinfachen und im richtigen Augenblick zu pressen.

Wer trainiert und danach unter Muskelkater leidet, freut sich, da dadurch die Leistung gesteigert wird.

Wenn es einen Sinn hat, dann leiden wir weniger.

Wenn Sie demnach Ihre Einstellung zum Schmerz verändern, darauf achten, wann er Sie schützen möchte und was Ihr Körper Ihnen durch ihn mitteilen möchte, dann kann es gut sein, dass es Ihnen besser geht.

Die innere Einstellung ändern.

Wer den Schmerz und damit den eigenen Körper als Feind ansieht, im Selbstmitleid versinkt, sich die Frage stellt “warum ich?” und gegen sich selbst kämpft, kann nicht erwarten, dass sich etwas bessert. Wenn Sie dagegen akzeptieren, dass der Schmerz ein Teil Ihres Lebens ist und Ihrem Körper verzeihen, verlieren Sie zum einen die Angst davor und zum anderen sind Sie ihm nicht mehr hilflos ausgeliefert. Sie können nun Ihre Energie wieder auf das Leben lenken.

Ruhe Entspannung

William Perugini/Shutterstock.com

Ich akzeptiere, was ich nicht ändern kann.

Versuchen Sie trotz oder besser noch gerade wegen Ihrer Schmerzen wieder am Leben Teil zu nehmen und aktiv zu sein. Treffen Sie sich mit Ihren Freunden, schauen Sie sich lustige Filme und Serien an, nehmen Sie ein Haustier bei sich auf und suchen Sie sich ein Hobby, welches Sie voller Begeisterung ausüben.

Bewegen Sie sich! Fangen Sie mit einfachen Bewegungen an, wie Aufwärmübungen, Mobilisolationsübungen, leichtem Yoga und Stretching-Einheiten. Gehen Sie ein kleines Stück spazieren oder schwimmen Sie ein paar Meter und steigern Sie die Strecke von Mal zu Mal.

Entspannen Sie sich ausreichend, ernähren Sie sich gesund und ausgewogen und achten Sie auf Ihre Körpersignale und Ihr Wohlbefinden.

Gewinnen Sie nach und nach Ihr Leben zurück und machen Sie es noch schöner und lebenswerter, als es vor Ihren Schmerzen war. Dies kann zu Beginn anstrengend sein, doch Sie werden sehen, es lohnt sich.

Achten Sie darauf, dass Sie jeden Tag etwas tun, was Sie glücklich macht.

Das Leben ist so vielseitig, üben Sie sich in Achtsamkeit und saugen Sie alles Positive in sich auf. Schenken Sie den schönen Seiten des Lebens Ihre Beachtung und akzeptieren Sie, was Sie nicht ändern können. Das wird vielleicht am Schmerz an sich nichts verändern, jedoch wird Ihr Leben um einiges lebenswerter und Sie selbst zufrieden und glücklich.

Titelbild: My Ocean Production/Shutterstock.com

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